Preiskrise verschärft sich weiter
Die Krise im europäischen Schlachtschweinemarkt hat sich zuletzt weiter zugespitzt. In nahezu allen wichtigen Erzeugerländern ist der Preis von einem bereits niedrigen Niveau aus weiter gefallen. In Deutschland werden Rufe nach politischer Intervention laut.
In Deutschland senkte die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) ihre Notierung am Mittwoch (28.10.) um 8 Cent auf 1,32 Euro/kg Schlachtgewicht (SG). Der Ferkelpreis blieb unverändert bei 28 Euro je Tier. Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) berichtete von "schleppenden" Geschäften mit Schweinefleisch. Vielerorts gebe es Angebotsüberhänge, während die Nachfrage verhalten sei. Daran habe auch fehlende Verkaufstag wegen des Reformationstages seinen Anteil.
Landvolk droht mit Protesten
Dass die Lage in der deutschen Schweineerzeugung angespannt ist, wurde auch beim Veredelungstag des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Mitte der Woche deutlich. In der Schweinemast gelten Preise von mehr als 2 Euro/kg SG als Mindestmaß für eine wirtschaftliche Erzeugung. Bei der DBV-Veranstaltung im bayrischen Essenbach wurde unter anderem ein Förderprogramm für die Sauenhaltung gefordert. Eine Zusage von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer blieb mit Verweis auf die klamme Staatskasse jedoch aus.
Das Landvolk Niedersachsen forderte am Freitag (30.10.), zumindest beim Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG) nachzulegen. "Es wurde genug geredet und debattiert", sagte Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers. Das Gesetz müsse nun wie angekündigt weiterentwickelt werden und sowohl ausländische Ware als auch die Außer-Haus-Verpflegung umfassen. In der Pflicht sieht er zudem jene Unternehmen, die noch nicht bei ITW und bei 5xD mitmachen. Andernfalls könne er Bauernproteste nicht ausschließen, so Ehlers.
Auch ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack sieht eine rote Linie überschritten. Der Preisdruck aus dem Ausland dürfe nicht allein zulasten der Erzeuger gehen. Werde das ruinöse Preisniveau bis zum schwächsten Glied der Kette weitergereicht, drohe diese zu reißen. Die Fleischabnehmer sägten damit am eigenen Ast, warnte Staack.
VEZG-Preisbasis bei Tönnies vor Comeback
Unterdessen haben sich Erzeuger und das Schlachtunternehmen Tönnies auf eine Rückkehr zur VEZG-Preisbasis verständigt. Wie der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) kürzlich mitteilte, soll der VEZG-Preis wieder als Grundlage für die Berechnung in den neuen Tönnies-Lieferverträgen dienen. Tönnies hatte im August angekündigt, einen eigenen Preis als Berechnungsgrundlage einzuführen. Nach massiver Kritik aus dem Berufsstand lenkte das Unternehmen ein.
Sobald Tönnies die Lieferverträge entsprechend geändert hat, wollen der DBV, der WLV und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) ihre Empfehlung, die Verträge nicht zu unterzeichnen, zurücknehmen.
"In guten wie in schlechten Zeiten"
Der Preisverfall beschränkt sich nicht auf Deutschland. Auch in Österreich sank die Notierung des Verbandes landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) um 8 Cent auf nun 1,35 Euro/kg SG. "Das Überangebot, welches von Woche zu Woche mehr wird, entbehrt jeglicher Chance, sich der Preistendenz zu widersetzen", heißt es im Marktkommentar des Verbandes. Der europäische Markt sei eng vernetzt, "in guten wie in schlechten Zeiten".
Rückgänge in Frankreich, Italien, Spanien und Belgien
In Belgien senkte die Danis-Gruppe ihren Preis gegenüber der Vorwoche um 4 Cent auf 1,01 Euro/kg Lebendgewicht (LG). Auch in Frankreich ging es abwärts: Am Marché du Porc Français gab die Notierung um 5 Cent auf 1,562 Euro/kg SG nach. In Spanien wurden Schlachtschweine an der Agrarbörse im westlich von Barcelona gelegenen Bellpuig in der laufenden Woche für 1,208 Euro/kg LG gehandelt. Das waren 3,1 Cent weniger als zuvor.
In Italien sanken die Preise um 3,5 Cent. Frei vermarktete Schlachtschweine der Gewichtsklasse von 138 bis 156 kg erzielten zuletzt 1,704 Euro/kg LG, Vertragsschweine derselben Gewichtsklasse 1,835 Euro/kg LG.
Danish Crown hält Preis stabil
Nur Danish Crown (DC) stemmt sich wie ein gallisches Dorf gegen den Abwärtstrend und hält an seiner bisherigen Notierung fest. In der 45. Kalenderwoche entspricht der Preis weiterhin umgerechnet 1,00 Euro/kg SG. Zugleich berichtet DC von einem "erbitterten" Wettbewerb beim Export nach Asien, wo sich höhere Preise als in Europa erzielen ließen.
EU-Abwärtstrend beschleunigt sich
Merklich nachgegeben hat der EU-Durchschnittspreis für Schlachtschweine in der Woche zum 25. Oktober. Laut EU-Kommission erlösten Tiere der Handelsklasse E im Mittel der meldenden Mitgliedstaaten 148,55 Euro/100 kg Schlachtgewicht (SG). Das waren 1,6% weniger als in der Vorwoche und 15,1% weniger als ein Jahr zuvor.
Am stärksten sanken die Preise in Estland mit 5,3%, der Slowakei mit 4,6% und Ungarn mit 4,5%. In Frankreich, Tschechien, Österreich und Spanien mussten die Erzeuger Abschläge zwischen 3,2% und 2,6% hinnehmen. In Deutschland ging der Preis um 1% zurück. Einen nennenswerten Anstieg meldete lediglich Malta mit einem Plus von 1,6%. AgE
