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Kursrutsch beim Mais in Chicago

Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (USDA) hat die Maisnotierungen an der Welt-Leitbörse von Chicago (CME) mit seiner neuesten Ernte- und Bilanzschätzung (WASDE-Report) auf Talfahrt geschickt. Erste Erntebeprobungen im US-Cornbelt zeigten demnach, dass Sommerhitze und unregelmäßige Niederschläge weit weniger Ertragsschäden verursacht haben als befürchtet. Mit einer prognostizierten Erzeugung von 407,3 Mio. Tonnen steuern die USA auf die zweitgrößte Maisernte ihrer Geschichte zu.

 

Wegen der phasenweise widrigen Witterung hatten die meisten Analysten im Vorfeld mit einer Korrektur der Flächenerträge nach unten gerechnet. Doch das USDA hob den durchschnittlichen US-Hektarertrag überraschend kräftig an. Kaum waren die Zahlen am vergangenen Freitag um 18:00 Uhr hiesiger Zeit veröffentlicht, gerieten die Maisfutures in Chicago unter massiven Druck. Ausgelöst durch automatische technische Verkaufsorders sackte der vordere US-Kontrakt für Körnermais binnen Sekunden um mehr als 10 Euro/t auf ein Tief von 174 Euro/t ab, erholte sich im weiteren Handelsverlauf aber zumindest ein wenig.

 

Maisfarmer in Nebraska können sich freuen 

 

Ein wesentlicher Treiber für das hohe US-Ergebnis ist der Bundesstaat Nebraska, wo der Maisdrusch aktuell auf Hochtouren läuft. Auf einer Anbaufläche von 3,89 Mio. Hektar reifen dort laut USDA 45,90 Mio. Tonnen Körnermais heran. Die Behörde hob die Erwartungen für Nebraska im Oktober-Bericht um ganze 0,69 Tonnen auf einen Spitzenwert von durchschnittlich 11,80 Tonnen pro Hektar an - ein Wert weit über dem nationalen Schnitt. Dank einer hervorragend ausgebauten Bewässerungsinfrastruktur sind die Farmer dort kaum vom Regen abhängig.

 

Zu der enormen neuen Ernte kommen in den USA rund 47 Mio. Tonnen Mais hinzu, die als Lagerbestand aus der vorherigen Saison übertragen werden. Dieser Lageraufbau resultiert auch aus einer unerwartet geringen Verfütterung in der abgelaufenen Kampagne 2025/26. Der Abverkauf wird zudem durch die starke internationale Konkurrenz erschwert: Vor allem Brasilien drängt mit wettbewerbsfähigen Preisen auf den Weltmarkt und bremst das US-Exporttempo.

 

Ukraine springt in die Lücke

 

Konträr zum eigenen Land hat das USDA seine Ernteprognose für die Europäische Union drastisch nach unten revidiert und gegenüber dem September-Bericht um 2,6 Mio. Tonnen auf 48,0 Mio. Tonnen gesenkt. Maßgeblich hierfür ist die dramatische Lage in Frankreich, wo die Erzeugung 2026 schätzungsweise um 38% unter dem Vorjahr liegt - eine der schwächsten französischen Ernten seit Jahrzehnten. Auch Deutschland, Ungarn und Italien litten seit dem Frühjahr unter Hitzewellen und akutem Wassermangel.

 

Um dieses Defizit auszugleichen, bleibt die EU in der Saison 2026/27 massiv auf Importe angewiesen. Das USDA beziffert den europäischen Einfuhrbedarf unverändert gegenüber dem Vormonat auf 23,5 Mio. Tonnen, wovon neben den USA auch die Ukraine profitieren dürfte. Wegen der verknappten EU-Bilanz hielten sich die Kursverluste an der europäischen Leitbörse Euronext - anders als in Chicago - in engen Grenzen. Nach einem kurzen Abrutschen zeigten sich die Terminnotierungen in Paris robust: Der vordere November-Kontrakt schloss zum Wochenende bei 273,25 Euro pro Tonne. AgE