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Getreide staut sich an Häfen

Rostow am Don, Russlands "Tor zum Asowschen Meer", hat den regionalen Notstand ausgerufen. Der Grund dafür sind zunehmende Engpässe bei der Getreidelagerung, ausgelöst durch ukrainische Angriffe auf die Infrastruktur. Da der Export über das Schwarze Meer im August quasi zum Erliegen gekommen ist, haben sich im Umfeld der Hafenterminals große Mengen Getreide angesammelt; die Kapazitätsgrenze scheint erreicht, und es fließt wenig Ware ab. Genaue Angaben zu den festliegenden Mengen gibt es nicht.

 

Nach Angriffen auf Schiffe im Asowschen Meer war die Schifffahrt durch den Don-Asow-Kanal Mitte Juli vorübergehend gestoppt worden. Im weiteren Verlauf wurden die Hafenterminals im Asow-Schwarzmeer-Becken angegriffen. Nach Medienberichten gingen von Rostow aus monatlich bis zu 1,5 Mio. Tonnen Getreide in den Export. Auch wichtige Terminals in Russlands größtem Getreidehub, dem Hafen Noworossijsk direkt am Schwarzen Meer, liegen derzeit lahm. Die dortigen Anlagen haben eine Jahreskapazität von rund 15,6 Mio. Tonnen Getreide.

Eine schnelle Wiederaufnahme der Getreideausfuhren erscheint eher unwahrscheinlich. Laut dem Terminal Noworossijsk Grain Plant (NKHP) dürfte es ein bis vier Monate dauern, bis die Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Das gilt auch für die anderen beiden Terminals des Hafens. Somit ist zumindest für September mit einer anhaltenden schwachen Getreideexportrate über russische Häfen zu rechnen.

Baltikum als Alternative?

Entscheidend sind daher nun die Risikobereitschaft der Reedereien und mögliche Alternativrouten. Nach Angaben der Plattform Ukragroconsult ziehen die russischen Exporteure offenbar auch die Häfen in Estland, Lettland und Litauen in Betracht. Trotz stark verschlechterter russischer Beziehungen zu den baltischen Ländern könnten vor allem die lettischen Häfen als Ausweichmöglichkeit genutzt werden.

Die baltischen Länder waren früher wichtige Transitrouten für russische Fracht. Im Wirtschaftsjahr 2025/26 passierten etwa 1 Mio. Tonnen Getreide die Häfen dieser Länder, im Jahr davor sogar 2,5 Mio. Tonnen. Insgesamt hat Russland in der vergangenen Saison 46,3 Mio. Tonnen Getreide über die Häfen des Schwarzen und Asowschen Meeres exportiert, über seine eigenen Ostseehäfen jedoch nur etwa 1 Mio. Tonnen.

Unterschiedliche Einschätzung

Die Russische Getreideunion (RGU) schätzt das Potenzial für Exporte durch die baltischen Länder im laufenden Wirtschaftsjahr auf 5 bis 6 Mio. Tonnen. Sollte es möglich sein, auch estnische Häfen zu nutzen, könnte das Volumen bestenfalls sogar 10 Mio. Tonnen Getreide erreichen. Deutlich vorsichtiger ist das Analysezentrum SovEcon, das die mögliche Ausfuhrmenge nur mit 200.000 bis 400.000 Tonnen ansetzt.

Laut Ukragroconsult liegt die gesamte Umschlagskapazität der drei baltischen Länder bei über 18 Mio. Tonnen Getreide pro Jahr; allerdings werden die Terminals vorwiegend für Getreide aus EU-Herkunft genutzt. Die Kapazität der russischen Ostseehäfen sehen Marktexperten bei maximal 7 Mio. Tonnen Getreide. AgE