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600 Millionen Euro an Hitzeschäden

Die Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen haben in der deutschen Landwirtschaft erhebliche Schäden verursacht. Nach Schätzung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) summieren sich die witterungsbedingten Einnahmeverluste bei Getreide und Raps rechnerisch auf mehr als 600 Mio. Euro. Insgesamt gingen durch die ungünstige Wetterlage rund 3 Mio. Tonnen Erntegut verloren.

 

"Das entspricht einem wirtschaftlichen Schaden von rund zehn Millionen Euro pro Tag, während der rund 60-tägigen Hitzeperiode von Juni bis zum Ende der Ernte", erklärte DRV-Getreidemarktreferent Guido Seedler bei der Vorstellung der Zahlen am Donnerstag (13.8.) in Berlin.

 

Ein Zehntel weniger Getreide als im Vorjahr

Insgesamt rechnet der DRV in diesem Jahr mit einer Getreideernte von insgesamt 40,6 Mio. Tonnen. Das wären rund 10% weniger als im Vorjahr, als 45 Mio. Tonnen eingefahren wurden. Auch der Fünfjahresdurchschnitt von 42,5 Mio. Tonnen würde damit deutlich unterschritten.

 

Aufgeschlüsselt auf die wichtigsten Getreidekulturen dürfte sich 2026 nach Einschätzung des DRV folgendes Bild ergeben:

 

Winterweizen: 19,01 Mio. Tonnen (-15,4% zu 2025)

Wintergerste: 9,3 Mio. Tonnen (-2,1% zu 2025)

Körnermais: 4,2 Mio. Tonnen (-14,2% zu 2025)

Roggen: 2,7 Mio. Tonnen (-10,0% zu 2025)

 

Starkes Nord-Süd-Gefälle

Regional zeigt sich laut DRV ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Während die Erträge im Norden und Osten Deutschlands dank ausreichender Niederschläge etwa auf Vorjahresniveau liegen, hat die Trockenheit insbesondere in Bayern, Südhessen und Baden-Württemberg deutliche Spuren hinterlassen. Besonders stark betroffen ist dort der Körnermais.

 

Auch bei den Getreidequalitäten zeichnet sich ein durchwachsenes Bild ab. Wegen der noch laufenden Ernte könne zwar noch keine abschließende Einschätzung vorgenommen werden, sagte Seedler. In vielen Regionen dürften die angestrebten Qualitätswerte jedoch nicht erreicht werden.

 

Rapsernte schrumpft auf 3,7 Mio. Tonnen

Beim Raps erwartet der DRV eine Ernte von 3,7 Mio. Tonnen, nach 4 Mio. Tonnen im vergangenen Jahr. Positiv sind laut dem Verband zumindest die Ölgehalte zu werten. Für den Rückgang macht Seedler beim tiefwurzelnden Raps allerdings weniger die Trockenheit verantwortlich. Schwerer habe gewogen, dass Landwirte beim Pflanzenschutz kaum Möglichkeiten hätten.

 

Versorgung bleibt gesichert

Insgesamt dürfte die diesjährige Getreideernte nach Einschätzung des DRV die drittschlechteste der vergangenen zehn Jahre werden. "2026 wird als Hitzejahr in die Geschichtsbücher eingehen. Nur die günstige Witterung im Frühjahr hat größere Schäden verhindert", erklärte Seedler.

 

Sorgen um die Versorgungssicherheit hält der Verband dennoch nicht für gerechtfertigt. Der jährliche Getreideverbrauch in Deutschland liege bei rund 40 Mio. Tonnen und werde damit rechnerisch durch die heimische Ernte gedeckt. Dies gelte auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und schlechter Ernten in anderen Teilen der Welt.

 

Logistik wird Hauptherausforderung

Nach Einschätzung des DRV dürfte in den kommenden Monaten somit weniger die verfügbare Menge als vielmehr die Logistik zur Herausforderung werden. Diese stehe derzeit gleich von mehreren Seiten unter Druck, warnte DRV-Vorstand Dr. Philip Spinne. Neben geopolitischen Krisen, die Transportketten stören könnten, beeinträchtigten vor allem die niedrigen Wasserstände die Binnenschifffahrt erheblich. "Teilweise können Schiffe nur noch ein Drittel ihrer üblichen Ladung transportieren", erklärte Spinne. Eine kurzfristige Verlagerung der Transporte auf Straße oder Schiene sei kaum möglich, da auch dort die Kapazitäten begrenzt seien.

 

Logistikschnittstellen ausbauen

Die von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger in den vergangenen Tagen beschlossenen Sofortmaßnahmen, darunter das Lkw-Sonntagsfahrverbot zeitweise auszusetzen, begrüßte der DRV. Diese können laut Spinne jedoch lediglich die akuten Probleme abmildern. Nötig sei vielmehr ein langfristiges strategisches Konzept für die Transportinfrastruktur. Dazu zählt der DRV unter anderem einen stärkeren Ausbau der Schnittstellen zwischen Straße, Schiene und Wasserwegen. Zudem fordert der Verband, die zulässige Höchstlast für Lkw auf 44 Tonnen anzuheben.

 

Düngeversorgung 2027 in Gefahr?

Keinen begrenzenden Einfluss auf die diesjährige Ernte hatten nach Einschätzung des DRV die 2026 stark gestiegenen globalen Düngemittelpreise. "Zu Beginn des Irankriegs hatten die Landwirte ihre Düngemittel bereits im Lager beziehungsweise schon auf dem Feld ausgebracht", erklärte Spinne.

 

Mit Sorge blickt der Verband jedoch auf die Ernte 2027. Wegen der hohen Preise hielten sich viele Landwirte derzeit beim Kauf von Stickstoffdüngern zurück und hofften auf sinkende Notierungen. Diese Zurückhaltung berge jedoch erhebliche Risiken. "Ohne frühzeitige Bestellungen bleiben auch Handel und Importeure beim Aufbau von Lagerbeständen zurückhaltend", warnte Spinne.

 

EU-Hilfen gezielt einsetzen

An das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) richtete Spinne die Forderung, die von der EU bereitgestellten 60 Mio. Euro Unterstützungsmittel deshalb gezielt einzusetzen, um frühzeitige Kaufentscheidungen der Landwirte zu fördern und damit die Versorgung abzusichern.

 

Nach Angaben des DRV-Vorstands steht derzeit allerdings im Raum, die 60 Mio. Euro pauschal über eine Flächenprämie auszuzahlen. "Das hilft keinem", kritisierte er. Stattdessen brauche es gezielte Anreize für die Betriebe, ihre Düngemittelversorgung bereits jetzt abzusichern. Denkbar sei beispielsweise eine zeitlich befristete Unterstützung für frühzeitige Bestellungen. AgE