Preise rutschen ab
Auf den Schlachtschweinemärkten in Mitteleuropa sind die Preise zuletzt abgerutscht. Wieder größere Angebotsmengen bei einem gleichzeitig schwächelnden Fleischgeschäft sorgten für kräftigen Druck. In Dänemark und Spanien gingen die Notierungen aber seitwärts. In Italien konnte man sich auf keine neue Preisfeststellung einigen.
In Deutschland wurde der Leitpreis der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) am Mittwoch (16.9.) um 15 Cent auf 1,45 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) zurückgenommen. In der Folge ging am Freitag auch der Ferkelpreis nach unten, um 11 Euro auf nun 30,00 Euro pro Tier.
Mit Blick auf den Schlachtschweinemarkt berichtete die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) von großen Absatzproblemen der Schlachtunternehmen und gleichzeitig stetig zunehmenden Angebotsmengen. Zwar sei der Markt in Süddeutschland noch halbwegs ausgeglichen. Angesichts der Lage in Gesamtdeutschland hätten die Erzeuger dem massiven Preisdruck seitens der Schlachter aber nachgeben müssen.
Günstige Ware aus Mitgliedsländern
Auf dem Schweinefleischmarkt sieht die AMI eine verhaltene Nachfrage. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) fahre nur wenige Werbeaktionen. Die Fleischverarbeiter orderten zwar stetig. Insgesamt sei die Versorgung aber mindestens reichlich, auch weil günstige Ware aus dem europäischen Umfeld auf den Markt drücke.
Diese stammt laut Einschätzung von Marktbeobachtern nicht nur aus Spanien, das ausschließlich bei Wildschweinen inzwischen 391 Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) im bereits länger eingerichteten Restriktionsgebiet zählt und weiter Probleme im Drittstaatenexport hat. Ausschlaggebend sei auch Dänemark, für das sich der Export ebenfalls schwierig gestalte und das vermehrt versuche, Ware in Deutschland abzusetzen.
ISN: Verluste sind nicht lange durchzuhalten
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) warnte angesichts des Preiseinbruchs, dass die heimischen Schweinebetriebe beim jetzt gültigen Preis bezogen auf die Ferkelerzeugung und Schweinemast einen Verlust von 55 Euro je Schwein machten. Das könnten sie nicht lange durchhalten.
Export bereitet Probleme
Auch in Österreich verlor der Markt sein Gleichgewicht. Der Verband landwirtschaftlicher Veredlungsproduzenten Oberösterreich (VLV) erläuterte, dass das nun kühlere Wetter alle Schweine, die im Sommer hitzebedingt langsamer gewachsen seien, "in Richtung Schlachthaken" bringe. Daneben sei der Export nach Asien ins Stocken geraten. Vor diesem Hintergrund setzte der VLV seine Notierung am Donnerstag bei 1,52 Euro/kg SG und damit 12 Cent niedriger als zuvor fest.
DC lässt Preis unverändert
Auch der belgische Danis-Konzern nahm seinen Auszahlungspreis für die jetzt laufende Woche um 12 Cent zurück, auf jetzt 1,070 Euro/kg Lebendgewicht (LG). Derweil blieb in Dänemark bei Danish Crown (DC) alles wie gehabt: Hier erhalten die Lieferanten in der aktuellen Kalenderwoche unverändert umgerechnet 0,92 Euro/kg SG. Und auch für die 39. Kalenderwoche legte die Genossenschaft ihren Preis auf diesem Niveau fest. Allerdings hatte DC den Preisanstieg, den der hitzebedingte Angebotsrückgang in den übrigen Ländern in den zurückliegenden Wochen gebracht hatte, nicht mitgemacht. Zur Begründung hieß es damals, der europäische Markt werde ohnehin in den Zustand des strukturellen Überangebots zurückkehren, der bereits vor den Sommerferien geherrscht habe.
Darin sah sich der Konzern jetzt bestätigt. Und er befürchtet, dass sich das Marktungleichgewicht in den kommenden Wochen wegen eines wachsenden Angebots noch verschärfen könnte. Denn aus Spanien sei zusätzliche Ware zu erwarten. Parallel dazu wies die Genossenschaft darauf hin, dass sie aufgrund knapper Schlachtkapazitäten für den Beginn von Kalenderwoche 40 einen Rückstau von 151.000 schlachtreifen Schlachtschweinen erwartet.
Einen nachhaltigen Preisanstieg kann nach Einschätzung von DC - neben einer Anpassung der EU-Erzeugung - nur die Umlenkung größerer Fleischmengen in den Drittstaatenexport bringen. Auf wichtigen außereuropäischen Absatzmärkten bleibe der Wettbewerb aber weiter intensiv.
Ruhige Entwicklung in Spanien
Am Marché du Porc Français erlebte man beim Handelstermin am Donnerstag "recht harte Auseinandersetzungen" um den Preis. Letztlich mussten die Verkäufer einen Preisrückgang um 3,6 Cent auf 1,867 Euro/kg SG hinnehmen. Auch hier wurde darauf verwiesen, dass sich Angebot und Nachfrage nicht mehr die Waage hielten. Die Preisverhandlungen seien aber auch durch den Preisrutsch in Deutschland beeinflusst worden.
In Spanien verlief die Woche ruhiger. An der Agrarbörse von Bellpuig östlich von Barcelona kosten Schlachtschweine aktuell 1,365 Euro/kg LG; das ist etwa ebenso viel wie zuvor. Analysten machen einen nur langsamen Anstieg der hitzebedingt niedrigen Schlachtgewichte aus.
EU-Durchschnittspreis niedriger
Auf EU-Ebene gab der durchschnittliche Schlachtschweinepreis in der Woche zum 13. September etwas nach. Laut Angaben der EU-Kommission wurden Schlachtschweine der Handelsklasse E in den meldenden Mitgliedstaaten durchschnittlich für 163,20 Euro/100 kg SG gehandelt. Gegenüber der Vorwoche entsprach das einem Rückgang um 0,3%. Das Niveau des Vorjahres wurde um 17,8% unterschritten.
Für die Schwäche des Durchschnittspreises sorgte auch ein Abschlag von 13,8% in Zypern. In anderen Ländern gingen die Notierungen zwar ebenfalls nach unten, aber im weitaus kleineren Umfang. So wurden in Polen 1,1% weniger gezahlt, in Spanien 1,0% weniger und in Österreich 0,7% weniger. In den Niederlanden, Belgien und Frankreich verharrten die Preise jeweils auf der Stelle. Der mit 4,1% größte Aufschlag wurde von Kroatien gemeldet. In Dänemark gab es 1,2% mehr, in Deutschland 0,2% mehr. AgE
