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Hitze schmälert Getreideernten

Die Hitzewellen der vergangenen Wochen haben sich sowohl in Deutschland als auch in Frankreich negativ auf die Getreideernte ausgewirkt. Hierzulande korrigierte der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) am Donnerstag (16.7.) seine Prognose für das diesjährige Aufkommen nach unten, und zwar auf nun insgesamt 42,7 Mio. Tonnen. Das würde gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang um 5,6% entsprechen. Bislang war der DRV von 44,1 Mio. Tonnen Getreide ausgegangen. DRV-Getreidemarktreferent Guido Seedler zufolge werden die extremen Temperaturen vielerorts zu Ertragsverlusten führen.

 

Gleichwohl machte der Verband deutlich, dass sich das nun erwartete Ergebnis trotz der Einbußen noch im Bereich einer durchschnittlichen Ernte bewege. Beim Raps hält der DRV an seiner bisherigen Prognose von gut 4,0 Mio. Tonnen fest; das wären 1,5% mehr als im Vorjahr.

 

Im Einzelnen veranschlagt der DRV in seiner fünften Ernteschätzung für die Ernte 2026 beim Weizen insgesamt knapp 21,9 Mio. Tonnen; das wären 5,4% weniger als im Vorjahr. Deutlich kleiner als im Vorjahr dürfte jedoch die Winterweizenernte ausfallen. Hier geht der DRV von einem Minus von 11,7% auf 19,9 Mio. Tonnen aus. Für die Gerste liegt die Prognose aktuell bei 10,8 Mio. Tonnen, nach 11,3 Mio. Tonnen zur Ernte 2025. Beim Roggen rechnet der DRV mit einem Rückgang um 6,6% auf 2,8 Mio. Tonnen, bei Triticale mit einem Minus von 2,2% auf knapp 1,8 Mio. Tonnen. Die Körnermaisernte dürfte nach Einschätzung des DRV mit 4,5 Mio. Tonnen um 8,1% kleiner ausfallen als 2025.

 

Differenziertes Bild beim Raps

 

Laut DRV sind die Unterschiede in den Auswirkungen der Hitze durch die jeweiligen Entwicklungsstadien der Kultur begründet. So sei die Wintergerste zum Zeitpunkt der Hitzewelle bereits weitgehend abgereift und somit von größeren Schäden und in der Folge von Mengeneinbußen verschont geblieben. Allerdings hätten die Qualitäten teilweise gelitten.

 

Beim Raps zeigt sich dem DRV zufolge bislang ein differenziertes Bild: Während im Westen Deutschlands die Ertragserwartungen weitgehend erfüllt würden, bleibe er im Osten oftmals hinter diesen zurück. Die erwarteten deutlich stärkeren Einbußen beim Winterweizen begründete der Verband mit dem normalerweise sehr viel späteren Reifezeitpunkt und einer Ernte ab Ende Juli. Durch die große Hitze von teilweise mehr als 40 Grad sei der Winterweizen in vielen Regionen notreif, so der DRV.

 

Laut Angaben des DRV sind die Erntearbeiten in vollem Gange. Die Gerstenernte ist demnach in weiten Teilen des Bundesgebiets nahezu abgeschlossen. Die Rapsernte laufe auf Hochtouren, und in den Frühdruschregionen habe inzwischen die Weizenernte begonnen.

 

In Frankreich ebenfalls kleinere Getreideernte

 

In Frankreich veranschlagte der Statistische Dienst des dortigen Landwirtschaftsministeriums (Agreste) in seiner Juli-Schätzung die diesjährige Ernte von Halmgetreide auf 46,3 Mio. Tonnen; im Vergleich zu 2025 wäre das ein Minus von 6%.

 

Beim Weichweizen erwartet die Behörde nun ein Aufkommen von knapp 32,0 Mio. Tonnen. Das würde gegenüber dem Vorjahr einem Minus von 4,0% entsprechen. Laut den Statistikern reicht die in diesem Jahr um 3% größere Anbaufläche nicht aus, um den Ertragsrückgang auszugleichen. Im Mittel rechnen die Fachleute mit 69,3 dt/ha, das wären fast 5 dt/ha weniger als 2025. Die Fachleute machten deutlich, dass damit die Erträge zum vierten Mal seit 2017 unter der Marke von 70 dt/ha liegen würden.

 

Agreste zufolge variieren die Druschergebnisse regional sehr stark. Von den Ertragsrückgängen sind wichtige Anbaugebiete betroffen, wie die Regionen Poitou-Charentes im Westen, Grand Est im Nordosten und Bourgogne-Franche-Comté in Ostfrankreich.

 

Günstige Bedingungen für Wintergerste

 

Bei der Gerstenproduktion rechnet Agreste ebenfalls mit einem geringeren Druschergebnis. Den Statistikern zufolge konnte die Wintergerste unter weitgehend günstigen Bedingungen gedeihen, während die Entwicklung der Sommergerste zunehmend und erheblich durch die Trockenheit und die aufeinanderfolgenden Hitzewellen beeinträchtigt wurde. Die gesamte Gerstenproduktion veranschlagen die Fachleute auf 11,1 Mio. Tonnen, das wären 6,3% weniger als ein Jahr zuvor. Die Gerstenerträge sollen sich im Mittel auf 62,7 dt/ha belaufen, was einem Minus von 3,5 dt/ha entsprechen würde. Den Anteil der Sommergerste an der Gesamtproduktion beziffert der Statistische Dienst auf 20%, nach 30% ein Jahr zuvor.

 

Ertragsrückgänge auch beim Raps

 

Die diesjährige Rapserzeugung beurteilt Agreste mit 4,6 Mio. Tonnen auf Vorjahresniveau. Die Ausweitung der Anbaufläche um 12% soll den Ertragsrückgang um 4 dt/ha auf 32 dt/ha im Mittel ausgleichen. Die Statistiker gehen davon aus, dass die Erzeugung anderer Ölsaaten, mit Ausnahme von Sonnenblumen und Soja, von der vergrößerten Anbaufläche profitiert. Allerdings ließen sich Ernteprognosen für diese Kulturen aktuell nur schwer präzisieren, so Agreste.

 

Anders als bei den Ölsaaten gab es den Fachleuten zufolge bei der Anbaufläche von Körnermais in diesem Jahr einen starken Rückgang, und zwar um 19,7% auf gut 1,2 Mio. Hektar. Angesichts der seit Mai auftretenden Hitzewellen berichten die Statistiker von einer zunehmenden Gefahr für Erträge und Qualitäten. Dies betreffe sowohl bewässerten Mais als auch Sommerkulturen wie Sorghum und Sonnenblumen, so die Fachleute. Nach ihren Beobachtungen haben sich die Wachstumsbedingungen für Mais in der zweiten Junihälfte drastisch verschlechtert; die Kulturen befänden sich in einem weitaus ungünstigeren Zustand als 2025. AgE