Wieder Ruhe eingekehrt
Auf den Schlachtschweinemärkten der Europäischen Union haben sich die Preise nach der jüngsten Absenkung zuletzt weitgehend stabilisiert. Unterdessen gestaltet sich der Fleischmarkt weiter schwierig. Für Druck sorgen Importe und eine verhaltene Nachfrage. Diese leidet in Mittel- und Nordeuropa inzwischen auch unter der anstehenden Urlaubszeit. Und die Hoffnung auf Impulse durch die Grillsaison schwindet. Die Fußball-Weltmeisterschaft spielt in den Marktkommentaren keine Rolle.
In Deutschland fixierte die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) ihren Leitpreis am Mittwoch (17.6.) bei unverändert 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG). Auch der Ferkelpreis trat am Freitag auf der Stelle, bei weiter 40,00 Euro pro Tier.
Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) beschrieb den deutschen Schlachtschweinemarkt als "nun wieder ausgeglichener". Nach wie vor würden aber aus mehreren Regionen Überhänge gemeldet, die jedoch langsam abgebaut würden. Auf dem Schweinefleischmarkt macht die AMI ein nur geringes Kaufinteresse aus. Die Grillsaison gehe langsam zu Ende und angesichts der bald beginnenden Urlaubszeit fielen die Bestellungen des Lebensmitteleinzelhandels überwiegend klein aus. Gleichzeitig gebe es auf der Angebotsseite mehr als ausreichende Mengen, um die Nachfrage zu bedienen.
VLV: Markt ist weniger angespannt
Der Österreichische Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) beließ seinen Auszahlungspreis ebenfalls unverändert, bei 1,52 Euro/kg SG. Auf dem Schlachtschweinemarkt in Österreich gebe es mittlerweile kein Überangebot mehr. Verschobene Schlachtpartien ließen sich gut abarbeiten, berichtete der Verband. Den heimischen Fleischmarkt sieht er jetzt ebenfalls ausgeglichener. Im Handel mit Edelteilen gebe es nur noch beim Nacken eine verhaltene Nachfrage.
Auch bei der belgischen Danis-Gruppe gab es keine weiteren Veränderungen des Schlachtschweinepreises. Sie zahlt in der laufenden Woche weiter 1,12 Euro/kg Lebendgewicht (LG). In Dänemark müssen die Schweinehalter in der laufenden Woche einen Preisrückgang um umgerechnet 10 Cent auf 1,19 Euro/kg SG hinnehmen. Weiter bergab geht die Notierung aber erst einmal nicht. Der Konzern fror sie jetzt für die kommende Kalenderwoche auf dem bisherigen Niveau ein.
Der Drittstaatenexport ist hart umkämpft
Angesichts des inzwischen stabilen Sommerwetters in weiten Teilen Europas vermisst DC auf dem Fleischmarkt die saisonal üblichen Absatzimpulse durch die Grillsaison. Außerdem sieht der Konzern den Markt durch einen "harten Wettbewerb um den Absatz großer Schweinefleischmengen in ganz Europa geprägt". Die Bereitschaft, günstig zu verkaufen - um Hamsterkäufe und Einfrieren zu vermeiden - sei erheblich und drücke die Preise weiter nach unten. Das liege auch an den nahenden Sommerferien, in denen der Absatz in Mittel- und Nordeuropa üblicherweise zurückgeht.
Im Geschäft mit Drittstaaten sieht sich DC ebenfalls unter Druck. Auf den wichtigsten Exportmärkten in Asien und Australien bleibe der Wettbewerb mit außereuropäischen Produzenten wie zum Beispiel Brasilien sehr stark.
Jetzt sinkt der Preis auch in Spanien
In Italien, wo die Notierungen nach einer lang anhaltenden Schwäche vorige Woche in die Seitwärtsbewegung eingeschwenkt hatten, gab es in der jetzt laufenden Woche keine Preisveränderung. Frei vermarktete Schlachtschweine mit einem Gewicht von 138 bis 156 Kilogramm werden derzeit für konstant 1,339 Euro/kg LG gehandelt; Vertragsschweine derselben Gewichtsklasse weiter für 1,461 Euro/kg LG.
Am Marché du Porc Français stieg die Notierung zuletzt um 3,2 Cent auf 1,467 Euro/kg SG. Dagegen konnten die Preise in Spanien ihre vorherige Aufwärtsentwicklung nicht fortsetzen. Beispielsweise fiel die Notierung an der Agrarbörse von Bellpuig westlich von Barcelona in der laufenden Woche um 2 Cent auf 1,29 Euro/kg LG.
EU-Durchschnittspreis schwächelt
Auf EU-Ebene ging der Schlachtschweinepreis zuletzt nach unten. In der Woche zum 14. Juni wurden Schlachtschweine der Handelsklasse E in den meldenden Mitgliedstaaten laut Angaben der EU-Kommission durchschnittlich für 157,19 Euro/100 kg SG gehandelt. Gegenüber der Vorwoche entsprach das einem Rückgang um 2,0%. Das Niveau des Vorjahres wurde weiterhin deutlich um 26,3% unterschritten.
Gedrückt wurde der Durchschnittspreis durch einen Preisrückgang um 10,5% in Dänemark. In Deutschland ließ die Notierung um 3,9% nach, in Österreich um 2,5%, in Belgien um 2,3% und in Polen um 1,5%. Den mit 2,3% größten Preisaufschlag meldeten jeweils Spanien und Portugal. In der Slowakei legte die Notierung um 1,9% zu, in Ungarn um 1,5%. AgE
