Warnung vor Getreidepreisschock
Die Internationale Handelskammer (ICC) warnt eindringlich vor steigenden Getreidepreisen und einer globalen Nahrungsmittelkrise. Wie das Wall Street Journal berichtet, sind die weltweiten Düngemittelexporte laut ICC-Generalsekretär John Denton durch die Auswirkungen des Irankrieges um fast 40% gesunken. Daher sei zu befürchten, dass die Lieferunterbrechungen das Risiko eines starken Preisanstiegs bei Getreide erhöhten.
Entscheidend ist laut Denton, wie lange die Störung andauert, welche Düngemittel betroffen sind und ob alternative Lieferanten die entstandene Lücke schließen können. Eine kurze Störung könnte durch Lagerbestände, Ersatzprodukte und geänderte Lieferpläne aufgefangen werden. Ein anhaltender Mangel würde hingegen das Risiko einer zu geringen Düngung, schwächerer Ernten und höherer Getreidepreise vergrößern und die Folgen auf die gesamte Lebensmittelkette ausweiten.
Sollte sich die Lage im Krisengebiet nicht schnell entspannen, könnten die Getreidepreise um bis zu 80% steigen, verbunden mit einer starken Verteuerung von Grundnahrungsmitteln, warnte der ICC-Chef. Entwicklungs- und Schwellenländer seien die Ersten, die diese Folgen zu spüren bekämen. Als Beispiel nannte Denton die Philippinen, die etwa 90% der benötigten Düngemittel importierten.
Landwirte direkt betroffen
Der unmittelbare Druck trifft laut Denton die Landwirte. Das geringere Düngerangebot zwinge sie, entweder höhere Preise zu zahlen, Ausbringungstermine zu ändern oder die Düngermenge zu reduzieren. Jede Möglichkeit erhöhe das Produktionsrisiko. Für Getreideverarbeiter, Tierhalter und Lebensmittelhersteller sieht der ICC-Generalsekretär die Gefahr in einem verzögerten Anstieg der Rohstoffkosten. Da eine Düngerunterbrechung nicht sofort zu einem Getreidemangel führe, dürfte der größte Effekt erst nach dem Verbrauch vorhandener Bestände und bereits vertraglich gesicherter Lieferungen auftreten.
Außerdem sieht die Handelskammer den internationalen Getreidehandel vor möglichen Veränderungen. Wenn Düngerengpässe die Produktion in einigen Anbauregionen verringerten, müssten dortige Verarbeiter und Importländer möglicherweise mehr Getreide aus anderen Regionen beziehen. Dann würde sich das Exportangebot stärker auf Produzenten mit einem sicheren Zugang zu Düngemitteln und ausreichenden Ernten konzentrieren. Dadurch nähme jedoch die Abhängigkeit von lokalem Wetter, Logistik und staatlichen Handelsmaßnahmen zu. AgE
