Rainer setzt sich für Abkommen ein
Deutschland und Südafrika wollen bei der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche (MKS) künftig enger zusammenarbeiten. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und sein südafrikanischer Amtskollege John Steenhuisen am Dienstag (10.3.) in Kapstadt. Die Vereinbarung wurde im Rahmen einer dreitägigen Südafrikareise Rainers unterzeichnet, die der Minister am Dienstag antrat.
Ziel des Besuchs ist es nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMLEH), im Sinne der Agrarexportstrategie die Agrarhandelsbeziehungen mit Südafrika zu vertiefen und neue Marktchancen für deutsche Unternehmen zu erschließen. "Südafrika ist ein zentraler Agrarstandort auf dem afrikanischen Kontinent, während Deutschland weltweit für innovative Landtechnik sowie zukunftsweisende Agrartechnologien steht", sagte Rainer. Es gebe viele Chancen für Handel "auf Augenhöhe". Begleitet wird der CSU-Politiker von einer Wirtschaftsdelegation sowie der Präsidentin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Prof. Christa Kühn.
Südafrika setzt auf Hilfe aus Deutschland
Die Reise findet auch im Kontext eines massiven Ausbruchs der MKS in Südafrika statt. Hunderttausende Tiere sind in den vergangenen Monaten erkrankt. Im Februar erklärte die südafrikanische Regierung die Lage zu einer "nationalen Katastrophe", um Hilfsmaßnahmen wie eine Impfkampagne besser koordinieren zu können. Steenhuisen sprach bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung am Dienstag von einer "sehr großen Krise", in der sich der Agrarsektor seines Landes befinde. Technische Hilfe und Unterstützung bei der Seuchenbekämpfung aus Deutschland seien daher sehr willkommen.
Wie AGRA Europe aus Delegationskreisen erfuhr, sind die südafrikanischen Behörden auch gerade deshalb an einer Kooperation mit der Bundesrepublik interessiert, weil der MKS-Ausbruch hierzulande im vergangenen Jahr wirksam und vergleichsweise schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte.
Deutschland strebt Regionalisierungsabkommen an
Die deutsche Seite hofft dagegen auf ein Entgegenkommen bei tierseuchenrechtlichen Vereinbarungen zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) und zur Hochpathogenen Aviäre Influenza (HPAI). Da wegen der Seuche Exporte aus Deutschland nach Südafrika nicht mehr möglich sind, setzt sich Bundesminister Rainer für entsprechende Regionalisierungsabkommen ein.
Auch wenn die technischen Details etwaiger Abkommen dem Vernehmen nach noch nicht abschließend geklärt worden sind, scheint es zumindest auf politischer Ebene zu einer Annäherung gekommen zu sein. Man habe eine "gute und ehrlich Diskussion" über den Umgang mit Tierkrankheiten geführt sowie darüber, wie Deutschland und Südafrika vom Handel gegenseitig profitieren könnten, sagte Steenhuisen im Anschluss an ein bilaterales Treffen. Nach seinen Worten lag bei dem Gespräch mit Rainer ein "wichtiger Schwerpunkt auf der Regionalisierung und der Erkenntnis, dass der Handel in den Gebieten aufrechterhalten werden sollte, die nicht von Tierseuchenausbrüchen betroffen sind".
Wirtschaftsdelegation zeigt sich zuversichtlich
Vertreter der Wirtschaftsdelegation zeigten sich gegenüber AGRA Europe zuversichtlich. "Der Tag war für uns sehr erfreulich", sagte etwa der Geschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), Wolfgang Schleicher. Im Austausch mit Steenhuisen habe sich gezeigt, dass im Hinblick auf ein etwaiges Regionalisierungsabkommen zur Geflügelpest Fortschritte erzielt worden seien. "Das ist notwendig, um Südafrika überhaupt wieder als Markt erschließen zu können", betonte Schleicher. Die Nachfrage bei den Unternehmen, mit denen man gesprochen habe, sei vorhanden, insbesondere nach knochenhaltigen Produkten, aber auch nach Separatorenfleisch. "In der Vergangenheit lag das Marktpotenzial hier bei bis zu 20.000 Tonnen jährlich", so Schleicher.
Ähnlich sieht es der Leiter des Hauptstadtbüros der Premium Food Group, Thomas Dosch. "In den Gesprächen haben wir mehr gehört, als wir erwartet haben", sagte er. Seiner Einschätzung nach wurden die Weichen für weitere Gespräche über ein ASP-Regionalisierungsabkommen gestellt.
Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Fleischwirtschaft (VdF), Steffen Reiter, begrüßte es, dass Bundesminister Rainer die Umsetzung der Agrarexportstrategie "zur Chefsache" erklärt habe. Es sei gut, dass sich das BMLEH für Abkommen einsetze, die es ermöglichten, in wichtigen Auslandsmärkten wieder mit Schweine- oder Rindfleisch präsent zu sein. AgE



