Quotenende führte zu Mehrproduktion
Nach dem Ende der EU-Milchquotenregelung zum 1. April 2015 kam es zu einer Steigerung der Milchproduktion. Zwischen 2015 und 2024 erhöhten sich die Kuhmilchanlieferungen in der gesamten Europäischen Union um mehr als 7%. Allerdings gab es in den wichtigen Produktionsländern Deutschland, Österreich und Frankreich unterschiedliche Entwicklungen. Wie diese aussehen, zeigt eine Analyse, die jetzt von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), der österreichischen Agrarmarkt Austria (AMA) und der französischen Agrarbehörde FranceAgriMer vorgelegt wurde.
Laut Bericht waren in den drei Ländern die Milchmengen schon kurz vor dem Ende der Quotenregelung nach oben gegangen. In Deutschland hatte es bereits seit 2007 einen starken Anstieg der Milcherzeugung und -anlieferung gegeben, der sich bis zum Quotenende fortsetzte. Danach blieb die Milcherzeugung weitgehend konstant und schwankte zwischen 32,5 und 33,1 Mio. Tonnen pro Jahr. Auch die bundesweite Milchanlieferung stabilisierte sich nach 2015 und lag seitdem in einem Bereich zwischen 31,0 und 32,0 Mio. Tonnen jährlich.
Parallel dazu stieg zum Ende der Quotenregelung die Zahl der Milchverarbeitungsbetriebe in Deutschland sprunghaft an. Seitdem ist sie jedoch rückläufig, liegt aber noch über dem Stand von 2015. Auch die Zahl der Kuhmilch-Erzeugerorganisationen zeigte laut Bericht nach dem Quotenende einen Anstieg. Im Jahr 2015 wurden 144 gezählt, worauf ein deutliches Wachstum folgte. Bis 2024 stieg die Zahl auf 179 Erzeugerorganisationen, was einer Erhöhung um rund 24% entsprach. Das spiegelt die zunehmende Bedeutung von Milcherzeugerorganisationen für Landwirte wider.
Einbruch der Erzeugerpreise
Anders sah es in Österreich aus. Dort fehlen Erzeugerorganisationen in der Milchbranche fast völlig. Dies hängt den Marktexperten zufolge mit dem nachgelagerten Bereich zusammen, der in dem Alpenland weitgehend in Form von Genossenschaften organisiert ist. Das Auslaufen der Milchquote hatte in Österreich einen deutlichen Einbruch der Erzeugerpreise, einen vorübergehenden Produktionsanstieg und vermehrte Betriebsaufgaben, Molkereischließungen sowie Anpassungen der Handelsströme zur Folge. Viele dieser Entwicklungen sind jedoch laut Bericht eher auf den allgemeinen Strukturwandel im ländlichen Raum seit dem EU-Beitritt des Landes im Jahr 1995 zurückzuführen.
In den letzten drei Jahrzehnten war der österreichische Milchmarkt durch ein deutliches Produktionswachstum gekennzeichnet. Während 1995 eine Gesamtmenge von 2,29 Mio. Tonnen Rohmilch angeliefert wurde, waren es 2024 rund 3,58 Mio. Tonnen; das war ein Plus von 56%. 2015 waren 3,10 Mio. Tonnen Milch erfasst worden.
Allerdings hat die Abschaffung der Quoten den Strukturwandel stark befeuert. Im Jahr 2015 zählte Österreich insgesamt 29.124 milchliefernde Betriebe; 2024 waren es nur noch 21.557. In den letzten drei Jahrzehnten haben fast drei Viertel der Milchviehbetriebe aufgegeben. Im Jahr 1995 waren es noch 83.793 gewesen.
Mehr Biomilch
In Frankreich hatte die Milcherzeugung dem Bericht zufolge 2014 einen Höhepunkt erreicht. Nach dem Auslaufen der Quoten brach die Produktion aufgrund einer Milchpreiskrise ein. Der Standardmilchpreis verzeichnete insbesondere in den Monaten vor dem Quotenende starke Rückgänge und lag im ersten Quartal 2015 um 20% unter dem des Vorjahreszeitraums.
Die Zahl der Milchbauern, die bereits vor dem Quotenende rückläufig war, sank zwischen 2015 und 2024 um rund ein Drittel. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Milchabnahme pro Betrieb an, und zwar um 41%. Neben einer Erhöhung der durchschnittlichen Herdengröße wirkte sich hier eine Steigerung der Milchleistung pro Kuh aus.
Darüber hinaus begann kurz nach dem Ende der Quote im französischen Milchsektor eine dritte Umstellungswelle hin zur Bioproduktion. Zwischen Januar 2015 und Januar 2022 legte die Zahl der Biomilcherzeuger um fast 40% zu. Der Anteil von Biomilch an der gesamten Milchanlieferung stieg von 2,3% im Jahr 2015 auf 5,5% im Jahr 2022. Allerdings ist dieser Anteil seitdem rückläufig; im ersten Halbjahr 2025 lag er durchschnittlich bei 4,9%. AgE



