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Gute Aussicht für Getreide und Raps

Angesichts gut entwickelter Bestände und ausreichender Niederschläge hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) seine Prognose für die diesjährige Getreideernte erneut etwas angehoben. In der am Donnerstag (21.5.) vorgelegten dritten Schätzung wird ein bundesweites Getreideaufkommen von 44,08 Mio. Tonnen erwartet. Im April war der DRV noch von 43,85 Mio. Tonnen ausgegangen. Mit den neuesten Zahlen würde die Produktionsmenge leicht über dem langjährigen Durchschnitt liegen.

 

Der Raiffeisenverband geht davon aus, dass die Getreidefläche im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 1,4% auf 6,1 Mio. Hektar ausgedehnt wurde. Dennoch soll das Vorjahresergebnis von 45,3 Mio. Tonnen nicht erreicht werden, da ein geringeres Ertragsniveau als 2025 unterstellt wird. Der DRV veranschlagt einen Durchschnittsertrag in Höhe von 72,5 dt/ha; das wären 3,9% weniger als der Vorjahreswert von 75,5 dt/ha.

 

Bei Winterweizen rechnet der DRV jetzt mit einem Aufkommen von 2,68 Mio. Tonnen. Die gesamte Weizenernte soll sich auf 3,00 Mio. Tonnen belaufen. An Gerste werden 1,55 Mio. Tonnen erwartet, davon 1,26 Mio. Tonnen Wintergerste und 286.900 Tonnen Sommergerste. Die Schätzung für Roggen liegt bei 533.500 Tonnen.

 

Unverändert ist die DRV-Prognose für die diesjährige Rapsernte. In Aussicht gestellt wird – wie im April – eine Produktionsmenge von rund 4,15 Mio. Tonnen; gegenüber 2025 wäre das ein Plus von 4,3%. Die Rapsfläche wurde laut Raiffeisenverband um 48% auf 1,14 Mio. Hektar erweitert. Allerdings soll der Durchschnittsertrag um 0,5% auf 36,2 dt/ha sinken.

 

Hält die Düngermittelversorgung?

 

Trotz der guten Ernteaussichten blickt die Getreidewirtschaft laut DRV mit Sorge in die Zukunft. "Die durch den Krieg im Nahen Osten stark angestiegenen Düngemittelpreise belasten die Rentabilität des Ackerbaus massiv", erklärte Getreidemarktreferent Guido Seedler. Die aktuell hohen Preise und die damit verbundene, verständliche Kaufzurückhaltung der Landwirte dürften aber nicht dazu führen, dass im kommenden Frühjahr nicht ausreichend Düngemittel zur Verfügung stünden.

 

Vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen, gestörter Lieferketten und der daraus resultierenden Dringlichkeit, die Resilienz zu stärken, ruft der Raiffeisenverband zu einer sorgsamen und überlegten Nutzung der verfügbaren Ackerflächen in Deutschland auf. "Resilienz in der Getreidewirtschaft beginnt mit der Sicherung der Anbauflächen", hob Seedler hervor. Zugleich warnte er vor einem Konkurrenzkampf um Flächen, etwa zwischen Energie und Getreide. Es stünden ausreichend Flächen für alle Nutzungen zur Verfügung; allerdings müsse die Nutzungskonkurrenz entschärft werden.

 

Der Marktexperte geht davon aus, dass der Druck auf landwirtschaftliche Flächen in den kommenden Jahren weiter hoch bleiben wird. Nur durch einen weiteren Ausbau erneuerbarer Energien sowie der erforderlichen Netze und Speicherkapazitäten könne man die ebenfalls notwendige Resilienz im Energiesektor stärken. Daher brauche es aber Weitsicht und eine klare Strategie beim Umgang mit verfügbaren Flächen.

 

Erneuerbare Energien auf ungenutzten Flächen

 

Seedler plädiert dafür, Erneuerbare-Energien-Anlagen vornehmlich auf ungenutzten Flächen oder solchen mit geringer Qualität zu errichten. Zudem können Moorböden, die aus Klimaschutzgründen nicht mehr landwirtschaftlich genutzt würden, für die Energieerzeugung eingesetzt werden. So ließen sich Klimaschutz und Energieversorgung miteinander verbinden und mehr Resilienz in diesen wichtigen Versorgungsfragen erreichen.

 

Darüber hinaus müssten für Bestandsanlagen, die in den kommenden Jahren aus der gesetzlichen Förderung fielen, Zukunftsperspektiven geschaffen werden. Dies gelte insbesondere für Biogasanlagen, da sie durch die Erzeugung von Biomethan einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung leisteten. Neben Biomasse vom Acker brauche es hierfür allerdings auch Einsatzstoffe aus der Tierhaltung, so Seedler. Dafür würden ebenfalls Flächen benötigt. AgE