EU-Gegenzölle auf Mais- und Soja?

Nachdem am Samstag (17.1.) das Mercosur-Handelsabkommen unterzeichnet worden war, bestand zumindest kurzfristig die Aussicht auf eine Atempause in den Diskussionen um den Kurs der europäischen Handelspolitik. Zerschlagen hat diese Hoffnung die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, im Konflikt um Grönland gegen acht europäische Länder - darunter sechs EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich neue Strafzölle erheben zu wollen.
Der Generalsekretär des Europäischen Verbands der Futtermittelhersteller (FEFAC), Alexander Döring, zeigt sich im Gespräch mit AGRA Europe besorgt, dass das im vergangenen Sommer vorläufig bis zum 6. Februar ausgesetzte Gegenzollpaket reaktiviert werden könnte. Das Paket umfasst Waren im Wert von 93 Mrd. Euro. Döring äußert die Befürchtung, dass die darin aufgelisteten Zölle unter anderem auf Soja und Mais seinem Sektor und im Anschluss den Veredlern durch potenziell steigende Futtermittelpreise das Leben erschweren könnten. Gerade die Situation beim Mais macht dem FEFAC-Generalsekretär sorgen. Hier seien die USA nach der Ukraine der wichtigste Lieferant für die Europäische Union.
Genug Soja auf dem Weltmarkt
Weniger beunruhigt zeigte sich der Getreidemarktreferent des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), Guido Seedler. "Da die Brasilianer 2025 eine Soja-Rekordernte eingefahren haben, sehen wir ausreichend Mengen auch für den europäischen und deutschen Markt vorhanden", erläuterte Seedler auf Anfrage von AGRA Europe. Die Gefahr von Versorgungsengpässen für Deutschland und Europa schätzt er gegenwärtig als gering ein. Zu beobachten sein werde allerdings, ob die Chinesen ihr Einkaufsverhalten änderten und künftig wieder stärker auf US-amerikanisches Soja setzten.
"Europa importiert durchschnittlich 14 bis 15 Mio. Tonnen Soja pro Jahr davon rund ein Drittel aus den USA. Damit ist die EU hinter China circa 110 Mio. Tonnen der zweitgrößte Soja-Importeur der Welt", erklärte Seedler. Die größten Anbieter von Sojabohnen seien Brasilien und die USA. Aktuell bezögen die Chinesen nahezu ausschließlich brasilianisches Soja und eher geringe Mengen aus den USA. Der DRV-Getreidemarktreferent sieht daher für die Vereinigten Staaten die Gefahr, dass den Farmern als Folge der angedachten Gegenzölle der EU der zweitgrößte Markt für Soja verloren gehen könnte.
Auch Gegenzölle auf Zuchttiere und Gemüse möglich
Neben Soja, Mais und Raps enthält das Gegenpaket der EU unter anderem Zölle auf lebende Zuchttiere wie Kühe und Färsen, Schweine sowie Hühner- und Entenküken aus den Vereinigten Staaten. Auch verarbeitetes sowie unverarbeitetes Rind- und Schweinefleisch aus den USA könnten erfasst werden. Gleiches gilt für frische sowie verarbeitete Gemüse- und Obsterzeugnisse sowie verschiedene Nüsse.
Was entscheiden die Staats- und Regierungschefs?
Ob dieses Gegenzollpaket nach dem 6. Februar angewendet werden soll, dürfte sich beim von Ratspräsident António Costa am Donnerstag (22.1.) einberufenem Sondertreffen der EU-Staats- und Regierungschefs zur Grönland-Frage entscheiden. Das hat zumindest der stellvertretende Chefsprecher der EU-Kommission, Olof Gill, am Montag (19.1.) durchblicken lassen. Am Abend zuvor hatte es bereits ein Treffen der EU-Botschafter gegeben. Teilnehmerkreise berichten gegenüber AGRA Europe, dass verschiedene Szenerien diskutiert worden seien. Auch hier heißt es, dass es nach dem Europäischen Rat mehr Klarheit geben dürfte.
EU-Parlament zögert
Derweil ist aus dem Europaparlament zu hören, dass sich am Mittwoch (21.1.) in Straßburg die Berichterstatter und Schattenberichterstatter für den US-EU-Handelsdeal treffen, um das weitere Vorgehen in dem Gesetzgebungsverfahren zu beraten. Anders als im Rat, der bereits eine eigene Position gefunden hat, zögert das Europaparlament. Aus dem Umfeld einflussreicher Handelspolitiker heißt es, dass nach den jüngsten Drohungen aus Washington ein Abschluss des US-Zolldeals nicht wahrscheinlicher geworden ist.
Laut der im August getroffenen vorläufigen Übereinkunft sollen die Vereinigten Staaten auf die meisten Waren aus der Europäischen Union einen Zollsatz von 15% anwenden. Sollte der Meistbegünstigungszollsatz höher liegen, soll dieser gelten. Den USA sollen derweil weitestgehend 0% eingeräumt werden. AgE



