Es sind schwere Zeiten
Auf den Schlachtschweinemärkten in Europa ist wieder Ruhe eingekehrt. Nach dem Preisrutsch, der in der Vorwoche die Landwirte in vielen Ländern erschüttert hatte, stehen sich Angebot und Nachfrage nun wieder ausgeglichener gegenüber. Vor diesem Hintergrund liefen die Notierungen zuletzt meist seitwärts. Derweil wird die Stimmung auf der grünen Seite immer schlechter. Gründe sind zum Beispiel die Preispolitik des Handels und das kühle Wetter.
In Deutschland legte die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) ihren Leitpreis bei unverändert 1,60 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) fest. Nach dem Preisrutsch in der Vorwoche sei der Markt nun "wieder ausgeglichener", trotz der kurzen Schlachtwoche und der ruhigen Fleischnachfrage.
Keine Absatzimpulse
Das sieht auch die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) so. Zwar gebe es regional noch immer größere Angebotsüberhänge. Der Handel laufe insgesamt aber wieder zügiger, im Süden sogar "flott". Das Fleischgeschäft wird laut der AMI aber weiter von der kühlen Witterung, die nicht zum Grillen einlädt, ausgebremst. Außerdem verzeichnen die Marktexperten keine Absatzimpulse durch die Rücknahme des Erzeugerpreises. Diese habe kaum Wirkung in den nächsten Handelsstufen. Umsatzsteigerungen gebe es daher so gut wie keine.
In Österreich resultierten aus der vorige Woche erfolgten Preisrücknahme in Deutschland, die in Österreich einen vergleichsweise kleinen Abschlag von 4 Cent nach sich gezogen hatte, vermehrte Anmeldungen von Schlachtschweinen in der laufenden Woche. Das hat der österreichische Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) mitgeteilt. Das Angebot habe sich aber trotz der verkürzten Schlachtwoche reibungslos vermarkten lassen. Zugleich sei der Markt ausreichend versorgt gewesen. Vor diesem Hintergrund beließ der VLV seine Notierung am Mittwoch bei 1,62 Euro/kg SG.
Druck im Exportgeschäft steigt
Wie er weiter erläuterte, bereitet der österreichischen Schlachtbranche im Export die Konkurrenz weiteren Druck, insbesondere im Geschäft unter anderem mit Bäuchen. Und auch Danish Crown ist in seinem Auslandsgeschäft mit mehr Konkurrenz konfrontiert. Zwar gebe es unter anderem in Australien, Neuseeland, Japan und den USA positive Tendenzen, teilte der dänische Konzern jetzt mit. In Ländern wie China, Malaysia und den Philippinen habe sich der Wettbewerb aber stark verschärft, weil diese Länder inzwischen weitere nicht-europäische Lieferländer zugelassen hätten. Und daraus erwachse eine "Herausforderung für die Preise".
Hoffnung auf Grillsaison schwindet
Für die Preisentwicklung auf dem europäischen Markt fallen die Zukunftserwartungen von DC noch düsterer aus. Man müsse sich "darauf einstellen, dass die ertragreichere Sommersaison mit höheren Verkaufspreisen dieses Jahr ausbleiben könnte". Denn die steigende Nachfrage zur Grillsaison könnte durch die große Menge an Schweinefleisch aufgefangen werden, die bereits auf den Markt gepumpt werde. Dabei brauche die Branche einen Anstieg der Preise, so DC. In weiten Teilen Europas gebe es Kursrückgänge, und zwar ausgehend von einem bereits niedrigen Niveau. Es seien "schwere Zeiten für die Landwirte", die bei der Produktion Verluste machten.
Notierung in Italien schwächelt weiter
Mit diesen Worten hinterlegte DC am Mittwoch seine Mitteilung, dass sein Schlachtschweinepreis auch in der kommenden Kalenderwoche bei umgerechnet 1,29 Euro/kg SG stehen bleibt. Auf diesem Niveau liegt der Preis jetzt seit Längerem. In Belgien ging der Preis nach seiner Senkung in der Vorwoche nun wieder in die Seitwärtsbewegung über. Gezahlt werden aktuell weiter 1,230 Euro/kg Lebendgewicht (LG). Auch in Frankreich und Spanien blieben die Preise wie gehabt. Am Marché du Porc Français kosten Schlachtschweine derzeit 1,433 Euro/kg SG, in Spanien zum Beispiel an der der Agrarbörse von Bellpuig westlich von Barcelona 1,270 Euro/kg LG.
Dagegen verringerte sich der Schlachtpreise in Italien auch in der nun laufenden Woche. Frei vermarktete Schlachtschweine mit einem Gewicht von 138 bis 156 Kilogramm werden jetzt für 1,365 Euro/kg LG verkauft, nach 1,401 Euro/kg LG in der Woche davor. Frei vermarktete Schlachtschweine derselben Gewichtskategorie verbilligten sich ebenfalls um 3,6 Cent pro Kilogramm, auf nun 1,491 Euro/kg LG.
EU-Durchschnittspreis fällt
Auf EU-Ebene gab der Durchschnittspreis nach. In der Woche zum 10. Mai wurden Schlachtschweine der Handelsklasse E im Mittel der meldenden Mitgliedstaaten nach Angaben der EU-Kommission für 164,92 Euro/100 kg SG gehandelt. Das entsprach einem Minus von 1,5% gegenüber der Vorwoche. Das Vorjahresniveau wurde um 20,1% verfehlt.
Den mit 5,1% größten Preisabschlag meldete Rumänien, gefolgt von Deutschland mit 3,6%, Polen mit 3,1% und der Slowakei mit 3,0%. In Spanien und Österreich gaben die Notierungen jeweils um 1,1% nach. Preisaufschläge waren seltener und fielen klein aus. Über den mit 2,5% größten Preisanstieg konnten sich die Landwirte auf Malta freuen. In Ungarn legte der Preis um 1,1% zu, in Frankreich um 0,6%. AgE



