Ertragsschwache Regionen verlieren

An den Umweltschutz gekoppelte Agrarsubventionen haben im Laufe der aktuellen Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) deutlich an Bedeutung gewonnen. Vor allem für Betriebe in Regionen mit geringer Wertschöpfung, etwa Gebirgslagen, stellen "grüne" Förderzahlungen mittlerweile ein wichtiges Standbein dar. Reine Einkommensstützen wie die Basisprämie haben dagegen an relativem Gewicht verloren. Das sind die Kernergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung des Thünen-Instituts.
Laut den Forschern könnte sich der Trend in der kommenden GAP nach 2027 jedoch wieder umkehren. Jedenfalls, wenn die vorliegenden Vorschläge der EU-Kommission unverändert umgesetzt würden - mit entsprechenden Folgen für jene ertragsschwachen Standorte, die heute besonders von grünen Zahlungen profitieren.
GAP sollte mehr auf Umweltschutz ausgerichtet werden
Wie in dem Thünen-Papier der Reihe "à la carte" ausgeführt wird, war eines der Reformziele der GAP ab 2023, die Subventionen stärker auf Umwelt- und Klimaschutzziele auszurichten. Die Wissenschaftler untersuchten, wer in den Jahren 2022 bis 2024 GAP-Mittel erhielt und wofür.
Sie nutzten dafür Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und unterschieden vier Arten von GAP-Förderung. Als "Basis-Interventionen" wurden reine Einkommensstützen eingestuft. Öko-Regelungen, gekoppelte Mutterkuhprämien und Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) fielen unter "grüne Interventionen". "Nachteilsausgleiche" waren etwa Zahlungen für benachteiligte Gebiete. Alles Übrige fassten die Forscher unter "sonstige Interventionen" zusammen.
Grüne Zahlungen erreichen mehr Betriebe
Das Ziel der GAP-Reform wurde laut der Studie erreicht. Während die Bedeutung reiner Einkommensstützen deutlich abnahm, stiegen zwischen 2022 und 2024 bei den grünen Interventionen sowohl die Zahl der Empfänger als auch das Fördervolumen stark an. 2024 erhielten 69% der Begünstigten solche Zahlungen, wogegen es 2022 nur 43% waren.
Regional gab es dabei aber große Unterschiede. Besonders viele Betriebe, die grüne Zahlungen erhielten, gab es zwischen dem nördlichen Unterfranken bis ins Erzgebirge, im Südschwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und in Brandenburg. Sehr niedrig war ihr Anteil dagegen in Regionen mit viel Obst-, Wein- und Gemüsebau wie Rheinhessen und der Pfalz. Dasselbe galt für Gunstlagen mit intensiver Milchviehhaltung und Ackerfutterbau, etwa im Oldenburger Land, im Unterallgäu und im Rosenheimer Becken.
Abstand zwischen den Regionen wächst
Auch der Anteil, den grüne Interventionen an der ausgezahlten GAP-Förderung ausmachen, ist in der neuen Förderperiode in allen Regionen gestiegen. Ebenso vergrößerten sich dabei bereits bestehende regionale Unterschiede. 2024 entfielen etwa in einem Streifen von der Eifel bis zum Spessart und zum Thüringer Wald mehr als 40% der gesamten Förderung auf grüne Zahlungen. Dasselbe galt für große Teile Südwest- und Nordostdeutschlands.
Zwischen Oberschwaben und Niederbayern sowie zwischen dem Emsland und der Leipziger Börde lag der Anteil dagegen unter 30%. Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen würden somit vor allem in Gegenden mit geringer Wertschöpfung umgesetzt, folgern die Autoren. Aus den Daten geht laut der Studie zudem hervor, dass kleine Betriebe überproportional von grünen Zahlungen profitierten.
Ertragsschwache Regionen als Verlierer der GAP nach 2027?
Als Verlierer könnten diese Regionen demzufolge aus der anstehenden Reform für die Zeit nach 2027 herausgehen. Denn wie die Wissenschaftler darlegen, sehen die aktuellen Vorschläge aus Brüssel deutlich höhere nationale Kofinanzierungssätze für Maßnahmen im Umwelt- und Klimabereich vor. Basiszahlungen sollen dagegen weiterhin zu 100% durch die EU bezahlt werden.
Entsprechend unattraktiver werde es für die Mitgliedstaaten, grüne Interventionen anzubieten, heißt es in dem Thünen-Papier. Die politisch Verantwortlichen sollten davon ausgehen, "dass reduzierte Förderprogramme für grüne Interventionen insbesondere Betriebe auf Standorten mit geringer Wertschöpfung und kleine Betriebe treffen würden". AgE
