"Mercosur ist zum Symbol geworden"

Die Kontroversen um das Mercosur-Handelsabkommen haben auch den Reformbedarf bei der Agrarpolitik innerhalb der Europäischen Union deutlich gemacht. Im Interview mit AGRA Europe erinnert der Vorsitzende im Handelsausschuss des Europaparlaments, Bernd Lange, daran, dass es auf der einen Seite sehr starke Exporte von verarbeiteten und nicht verarbeiteten Agrarprodukten gebe. So habe die Europäische Union 2024 immerhin einen Überschuss von 64 Mrd. Euro erzielt.
Zugleich weist der SPD-Politiker darauf hin, dass innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette beispielsweise die Milchbauern nur einen geringen Anteil am Erlös erhielten, während die Käsehersteller 40% und der Händler noch mal 50 bis 60% abschöpften. "Der Benefit muss gerechter verteilt werden", sagt Lange. Die Akteure am Anfang der Wertschöpfungskette profitierten wenig von Agrarexporten, seien aber zusätzlichem Wettbewerbsdruck durch Importe ausgesetzt.
Hausaufgaben erledigen
Darüber hinaus weist der langjährige Handelspolitiker auf das eingebaute Sicherheitsnetz im Mercosur-Abkommen hin. Wenn bestimmte historische Volumina überstiegen würden, könnten automatisch wieder Zölle gesetzt werden. Die Realität sei also eine andere als das, was sich im Symbol Mercosur manifestiert habe. Alle Beteiligten seien gefordert, ihre Hausaufgaben zu machen, gerade in Frankreich.
Gleichzeitig pocht Lange aber auch auf mehr Ehrlichkeit in der Debatte um das Mercosur-Abkommen. Zwar räumt er ein, dass es bei einigen Erzeugnissen - wie Rindfleisch - zusätzlichen Wettbewerbsdruck gebe. Laut Lange importiert die EU jährlich aber auch zollfrei 3 Mio. Tonnen Soja, die der landwirtschaftlichen Veredelung nutzten. "Ich habe hier in Brüssel noch keinen gesehen, der gegen diese Importe protestiert hat", so der Handelsausschussvorsitzende. AgE



